SmP-Seminar: Autonome Systeme


Spannungsfeld Mensch und Maschine

Die Verflechtung unserer Gesellschaft und unseres Alltags mit neuen Technologien, insbesondere mit autonomen Systemen, wirft vielfältige Fragen auf, die nur in interdisziplinärer Zusammenarbeit beantwortet werden können: Wer trägt für maschinelle Entscheidungen und Maßnahmen die Verantwortung? Sollte es Grenzen in der Entwicklung, der Implementierung und für den Einsatz solcher Systeme geben, die nicht überschritten werden dürfen? Sind maschinelle und insbesondere Statistik-basierte Entscheidungen, die Menschenleben betreffen, überhaupt zulässig und wenn ja, in welchen Kontexten? Worin unterscheiden sich Entscheidungen von Maschinen und von Menschen überhaupt? Im Rahmen dieses SmP-Seminars wollen wir diese und weitere spannende Fragen mit euch unter anderem aus den Perspektiven der Informatik, der Philosophie, der Psychologie und der Rechtswissenschaften beleuchten und diskutieren. Willkommen sind alle Interessierten aus diesen und natürlich auch aus allen anderen Fachbereichen.

Die Beantwortung solcher Fragen drängt, denn die Technik hat uns längst eingeholt: Schon jetzt entscheiden Computer in den USA, wer ins Gefängnis muss und wer nicht, Algorithmen bestimmten über das Schicksal von Arbeitslosen in Österreich und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge versuchte, arabische Dialekte automatisch zu erkennen und so Abschiebungsentscheidungen zu beschleunigen. Auch autonome Fahrzeuge sind längst Realität und haben bereits Menschenleben gefordert. Höchste Zeit sich umfassend mit autonomen Systemen zu beschäftigen.

"Alexa, E-Mail an smp2019@explainable.systems!"

Wer?

Unsere Veranstaltung steht für Interessierte aller Fächer offen, besonders aber für Stipendiat*innen der Informatik, der Philosophie, der Psychologie sowie der Rechtswissenschaften. Alumni*ae und externe Teilnehmer*innen sind willkommen, Stipendiat*innen werden bei der Vergabe von Plätzen allerdings bevorzugt. Die Veranstaltung soll ca. 40 Teilnehmende haben.

Wann?

Montag, den 02.09. bis Donnerstag, den 05.09.2019.

Wo?

Veranstaltungsort
Gebäude E1.3, Universität des Saarlandes, Saarbrücken
Unterkunft
Hermann-Neuberger-Sportschule/Landessportschule, Saarbrücken

Von der Unterkunft zum Veranstaltungsort sind es ca. 15 Minuten zu Fuß.

Sowohl der Veranstaltungsort als auch die Unterkunft sind barrierefrei. Wenn du ein barrierefreies Zimmer brauchst, gebe dies bitte bei der Bewerbung mit an.

Was?

Wir haben für euch ein spannendes inhaltliches Programm bestehend aus Crashkursen, Arbeitsgruppen sowie Vorträgen und einer Podiumsdiskussion geplant. Zusätzlich gibt es noch eine Filmvorführung von Blade Runner 2049 mit Vortrag und anschließender Diskussion und einen Besuch des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz.

Crashkurse

Unser SmP-Seminar wird mit einer Reihe von kurzen einführenden Vorträgen in wichtige Themen wie Ethik und maschinellem Lernen beginnen, damit wir für die folgenden Diskussionen alle auf dem selben Stand sind. Die Crashkurse werden von Alumni*ae, fortgeschrittenen Stipendiat*innen, die Teil des Organisationsteams sind, sowie externen Dozierenden angeboten.

Folgende Crashkurse haben wir geplant:

  1. Autonomie – Was bedeutet das überhaupt? (Sarah Sterz)
  2. Ethik – Tradition, Theorie und Praxis (Tom Luc)
  3. Algorithmen, Machine Learning und Statistik (Tobias Jäger)
  4. Juristische Grundbegriffe in aller Kürze (Stefan Hessel)
  5. Vertrauen und Verstehen aus Sicht der Psychologie (Maria Huber)

Maria Huber ist Stipendiatin und studiert Psychologie im Master mit den Schwerpunkten Kognition, Arbeits- und Organisationspsychologie und Klinische Psychologie an der KU Eichstätt-Ingolstadt. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie, an dem unter anderem zur Akzeptanz automatisierten Fahrens geforscht wird.

Das Organisationsteam besteht aus:

Tobias Jäger ist Stipendiat und studiert Informatik im Master an der Hochschule Trier. Derzeit beschäftigt er sich unter anderem mit Deep Learning zur Objektdetektion. Neben dem Studium arbeitet er seit mehreren Jahren als Softwareentwickler in einem mittelständigen Systemhaus.

Maximilian Köhl ist Stipendiat und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für zuverlässige Systeme Dependable Systems and Software an der Universität des Saarlandes. Er studiert neben Informatik auch analytische Philosophie im Master und promoviert derzeit in der Informatik zum Thema Principles of Perspicuous Systems.

Tom Luc ist Stipendiat und studiert Philosophie-Künste-Interkulturell im Master an der Universität Hildesheim. Derzeitig beschäftigt er sich mit dem Thema Entfremdung in dem Verhältnis von Mensch und Maschine.

Sarah Sterz ist Alumna und ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Dependable Systems and Software. Dort organisiert sie zusammen mit Kevin Baum die Vorlesung Ethics for Nerds, die Informatikstudierenden ethische und andere philosophische Kompetenzen vermittelt. Sie ist Mitgründerin des Thinktanks Algoright, der sich für gute Digitalisierung einsetzt, hat analytische Philosophie und Informatik studiert und wird zum Thema Vertrauen in künstliche Systeme in der Philosophie promovieren.

Vorträge und Podiumsdiskussion

Es wird eine Reihe von Vorträgen von Expert*innen aus den jeweiligen Fachgebieten mit einer anschließenden Podiumsdiskussion geben. Die Podiumsdiskussion wird auf Englisch stattfinden. Die Vorträge werden auf Deutsch oder Englisch sein. Wir haben folgende Expert*innen für unser Seminar gewinnen können:

Kevin Baum ist analytischer Philosoph und Informatiker. Er ist sowohl wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Praktische Philosophie als auch der Informatik an der Universität des Saarlandes und bald ständiges Mitglied der Enquêtekommission Digitalisierung im Saarland. Er konzipierte die Vorlesung Ethics for Nerds, die er mittlerweile zusammen mit Sarah Sterz organisiert. Außerdem ist er Mitgründer des Thinktanks Algoright.

Stefan Hessel ist Jurist und Gründer des IT-Rechtsberatungsstartups Defendo GbR sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter der Rechtsinformatik an der Universität des Saarlandes. Er ist ebenfalls Gründungsmitglied von Algoright. Mit seiner Forschung zur smarten Spielzeugpuppe My Friend Cayla hat er 2017 großes mediales Aufsehen erregt.

Jilles Vreeken, PhD ist Informatiker und leitender Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit (CISPA), wo er die Gruppe Exploratory Data Analysis leitet. Außerdem ist er Senior Researcher am Max-Planck-Institut für Informatik. Seine Forschung beschäftigt sich damit, in gegebenen Daten mit mathematischen Verfahren interessante Strukturen zu finden und Informationen zu extrahieren. Er arbeitet auf der ganzen Welt.

Dr. Daniela Voß ist Philosophin und doziert an der Universität Hildesheim. Ihren Postdoc absolvierte sie als Fellow am Alfred Deakin Institute for Citizenship and Globalisation in Melbourne, Australien. Ihre Forschung beschäftigt sich unter anderem mit der französischen Postmoderne und Technikphilosophien aus der kontinentalen Tradition.

Dr. Markus Langer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität des Saarlandes. Seine Interessen liegen in der empirischen und experimentellen Untersuchung der Beziehung von Menschen, künstlicher Intelligenz und algorithmusbasierten Entscheidungen. Die zentrale Leitfrage dabei ist: Wie reagieren Menschen auf algorithmusbasierte Entscheidungen und was braucht es um die Akzeptanz und Nachvollziehbarkeit solcher Entscheidungen zu fördern?

Prof. Dr. Joachim Frenk ist Professor für British Literary and Cultural Studies an der Universität des Saarlandes. Er forscht zu britischer Literatur von mittelalterlichen Manuskripten über viktorianische Lyrik bis hin zu digitalen Textformen im Netz. Darüber hinaus befasst er sich mit der Mediengeschichte Großbritanniens sowie britischem Film und anderen Medienprodukten.